duminică, 22 martie 2009

"Ich bin Kameramann! Ich hab doch keine Kassetten!"

Ein Kameramann und ich wollen zu einem Dreh aufbrechen.
Er: "Hast du Kassetten dabei?"
Ich: "Äh, nein. Ich wusste nicht, dass ich mich darum kümmern muss."
Er: "Was? Ich bin Kameramann! Ich hab doch keine Kassetten!"
Ich: "Achso. Ja. Ähm. Gut."

Mittlerweile habe ich einen Weg gefunden, mich in die Redaktion zu integrieren. Langsam, aber sicher, übernehme ich unbemerkt die Kontrolle und reiße die Macht an mich! Haaaa! Jaha, die werden sich noch wundern... Ich fange an meine Kollegen so zu nehmen, wir sie sind. Was anderes bleibt mir ja auch gar nicht übrig. Meine Tätigkeiten sind sehr verschieden. Recherche (eher wenig), Sprecher- und Moderationstexte korrigieren und einsprechen, Assitenz während der Live-Sendungen oder bei verschiedenen Drehs, aber auch Umsetzung eigener Beiträge. Also: einen guten Eindruck machen, sich spontan Fragen zu einem Thema überlegen, von dem man keine Ahnung hat, Interviews führen, schneiden, texten, sprechen. Das, was man beim Fernsehen eben so macht.

Oft rege ich mich bei Drehs darüber auf, das einige Leute einfach keine Ahnung haben. Ich weiß, dass meine Kollegen wesentlich mehr Erfahrung haben als ich und das erkenne ich auch wirklich an. Aber wenn ernsthaft jemand darauf besteht, dass die Interviewten direkt in die Kamera gucken, dann kann ich meinen Mund nicht halten. Zumindest nicht, wenn später mein Name unter dem Beitrag steht. Ich spreche hierbei nicht von der ganzen Redaktion, aber es gibt da so einen Spezialisten... "Nein, wir müssen keinen Weißabgleich machen, das sieht schon so gut aus." Aaaaaah. Ich werde verrückt. Das kann doch nicht sein oder? Das jemand nach 15 Jahren Fernseharbeit denkt, ein Weißabgleich sei unnötig, den Ton müsse man nicht beachten und dann zu allem Überfluss auch noch sagt: "so, dann schauen sie bitte in die Kamera beim Sprechen. Und da kommt auch schon das Vögelchen." Das Vögelchen? Und das sagt der allen ernstes zu Frau Professor Doktor L.? Du hast ein Vögelchen, mein Junge, aber aus einer Videokamera wird keins rausfliegen. Und auch Professor Doktor L. wird das wissen. Ich flüstere dann: "schauen sie bitte mich an, ja?" Zum Glück hat das bisher geklappt. Aber der Herr ohne Weißabgleich wunderte sich später über einen gelben Interviewpartner. Innerlich war ich schadenfroh, aber ich konnte mir das: "oh, lag das vielleicht am fehlenden Weißabgleich?", gerade noch so verkneifen. 
Ich betone noch ein mal, es gibt durchaus auch sehr gute Beiträge und gute Kameramänner, wenngleich auch meistens ohne Ausbildung. Das muss ja nichts heißen. 
Ein anderer Punkt, an den ich mich arbeitstechnisch erst mal gewöhnen musste, ist die Tonaufnahme und -qualität. Ton-Assitent ist ein Ausbuldungsberuf! Etwas, das Leute drei Jahre lernen, um es zu beherrschen. Diese Leute braucht man in der deutschen Redaktion allerdings offensichtlich nicht. Ich habe bisher noch nicht einmal eine Tonangel dort entdeckt. Meistens nehmen sie das Kameramikro ab und benutzen es für Interviews. In seltenen Fällen wird ein anderes angeschlossen oder eine Funkstrecke benutzt. Abgehört wird das ganze während der Aufnahme nicht. 

Gut. Nachdem ich meine Aufregungspunkte von der Seele geschrieben habe, höre ich jetzt auf die schlechten Seiten zu beschreiben und möchte sagen, dass ich es nicht bereue hierher gegangen zu sein. Ich kann hier viel selbstständig arbeiten. Ich muss mir die eigene Arbeit zwar erst erkämpfen, aber immerhin bekomme ich die Chance. Meine Kollegen sind offener geworden und ich merke, dass sie mich vielleicht sogar ein bisschen mögen ;-) Ich lerne fleißig Schimpfwörter für redaktionelle Streitgespräche, die alle erfreuen. Ich gucke viel zu, auch bei Dingen, die mich nicht interessieren und tue so, als würden sie mich interessieren oder als würde ich sie nicht verstehen. Das klingt jetzt gemein, ist es aber nicht. Denn ich habe gemerkt, dass es wichtig ist, ihnen das Gefühl zu geben, sie würden einem etwas beibringen. Und im Grunde genommen tun sie das auch oft. Nur eben nicht so oft, wie sie denken.

Auch die Stadt Bukarest im Allgemeinen ist wirklich spannend. Ich entdecke die Stadt mehr und mehr. Heute hat ein Redakteur mit mir eine Stadtrundtour gemacht und ich habe wirklich eine Menge toller Ecken gesehen, die ich alleine wohl nicht gefunden hätte. Die Stadt will erkundet werden. Neben den hässlichsten Plattenbauten, findet man plötzlich die traumhaftesten Kirchen, Häuser oder andere kleine Schätze. Ich beginne mehr und mehr die Vorzüge zu erkennen und die Stadt zu mögen. Es ist zwar verrückt, aber schön verrückt.

Un comentariu:

  1. Scheint so, als ob Willi uns doch gar nicht so schlecht ausbildet ;-) Bring denen mal was bei, Nina! Du hast doch bestimmt Beispiele von deiner Arbeit (Schmied ^^) mit nach Rumänien genommen, oder?? ;-) Scheint ja immer besser zu werden, also viel Spaß noch. Bei mir gehts nächste Woche auch endlich los. Die Zeit des Gammelns ist vorbei! Lieben Gruß!!

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