miercuri, 11 martie 2009

Die ehrenhafte Männlichkeit und ich

Heute traf es mich wie ein Schlag. Eine Stimme in meinem Kopf. Wo kommt sie her? Wer ist sie? Mein Blog sprach zu mir. Er sagte, er halte das nicht mehr aus. Ich würde mich ihm gegenüber absolut unkorrekt verhalten. Ich war schockiert. Hatte ich ihn möglicherweise vernachlässigt und damit einen Fehler begangen? Konnte ich unsere Beziehung retten? Ich fragte mich, ob er nicht einfach nur etwas zickig war, doch kam zu dem Entschluss, dass er Recht hatte und wir dringend reden müssten. Immer dieses Reden... Trotzdem beschloss ich zu handeln und ihn zurück zu erobern! 

Liebster Blog,
seit mehr als einer Woche bin ich jetzt schon in Bukarest. An vieles muss ich mich erst mal gewöhnen. Das Leben hier ist doch ein anderes, als das in Deutschland. Aber das ist gut so. Gut und gleichzeitig anstrengend. 

An meinem ersten Tag starte ich mit einem ausgiebigen Erkundungsspaziergang. Schnell wird mir klar, dass Bukarest nicht die typische "hach, hier ist alles so schön Stadt" ist. Nein, wirklich nicht. Aber gerade das macht diese Stadt interessant. Man muss sie erkunden. Es gibt viele schöne Ecken, die durch viele unauffällige oder auch weniger schöne Ecken, hervorstechen. Man spürt in jeder Ecke die Vergangenheit dieses Landes. Eine Vergangenheit, an der es immer noch arbeitet. Jeden Tag. In jeder schönen und nicht schönen Ecke. Es scheint sich verändern zu wollen. Aber nach einer Woche kann ich noch nicht wirklich viel dazu sagen.
Plattenbauten und Einkaufszentren mit riesigen Werbeleinwänden, haufenweise Baustellen, grüne Parkanlagen, wunderschöne Kirchen und beeindruckende Gebäude wechseln hier von einem zum anderen Schritt. Von einem zum anderen Blick. Schwer zu erfassen, wenn man nur einen Tag hat, um sich einzugewöhnen. 

Abends geht es mit zwei meiner neuen Mitbewohner ins Kino. Am Eingang bekommen die Frauen kleine Päckchen mit Schokolade. Am Abend vorher hatte ich bereits von dem Freund meiner Mitbewohnerin Kathi eine Blume bekommen. Deshalb wusste ich das gerade "martisor" ist in Rumänien. An diesem Feiertag schenken die Männer, allen Frauen in ihrem Bekanntenkreis kleine Anstecker, Blumen, Schokolade oder Kreativeres (je nach Beziehung zueinander). An jeder Straßenecke gibt es Stände, an denen die kleinen Aufmerksamkeiten für ein paar Lei angeboten werden. Man sieht Männer mit massenweise Blumen im Arm durch die Straßen hetzen. Es ist unglaublich. 

Montag ist mein erster Arbeitstag. Pünktlich bin ich in der Redaktion. Aber warum pünktlich? Hier ist kaum jemand pünktlich. Es kommt immer drauf an, wie viel zu tun ist. Da aber meistens einiges los ist, kommt Pünktlichkeit immerhin ab und zu vor. Soll mich aber nicht stören, ich schlafe auch gerne eine halbe Stunde länger.
Der Fahrstuhl ist im neunten Stock angekommen. Ich setze meinen ersten Schritt in die Redaktion. Mein Blick schweift nach rechts. Ein großes blaues Sofa, auf jeder Seite daneben jeweils ein Sessel. Davor ein schwarzer Tisch. Die Wand dahinter ist überfüllt mit Lexika, Nachschlagewerken und anderer Lektüre. Direkt neben mir steht ein alter Garderobenständer aus dunkelbraunem Holz. Ich werfe meine Jacke darüber und lasse mich weiter in denn Bann des Raumes ziehen. Zwei Computer. Zwei! Noch dazu mit flimmernden Bildschirmen. Davor jeweils ein klappriger Stuhl. Die restlichen Wände bedeckt von Schränken, gefüllt mit Material. Viedeokassetten über Viedeokassetten. Chaotisch. Mein Blick fällt nach links. Eine geöffnete, leicht zersplitterte Tür - Metallrahmen, dazwischen Glas - gewehrt mir einen Blick in den Schnittraum. Ich kann meinen Augen kaum trauen. Ein analoger Schnittplatz. Direkt angrenzend an die Redaktion. Das heißt: Niemals Ruhe. Zu meiner Beruhigung erfahre ich, dass es auch zwei digitale Schnittplätze gibt. Mit denen kann ich dann wenigstens umgehen. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, welche Oase der Entspannung diese Räume für mich werden würden.
Ich lerne die meisten Leute direkt am ersten Tag kennen. Das erste und letzte mal also, dass mir meine werten männlichen Kollegen die Hand geben. In Rumänien begrüßen sich nur die Männer mit einem Händedruck. Jeden Morgen. Die Frauen werden an den Arbeitsplätzen meistens gar nicht begrüßt. Ich bekomme mittlerweile ein: "Bună ziua", "Hallo" oder "Servus" und von einem besonders netten Kollegen sogar mal ein: "Nina! Ce faci?" (Wie gehts?) Die Antwort ist dann nicht wichtig, aber das macht nichts. 
Unter Freunden begrüßen sich Männer und Frauen meistens mit Küsschen links und rechts.Der Mann fängt aber natürlich an. Ist klar. Das gefällt mir aber dann doch noch weitaus besser, als Ignoranz. Trotz dieser etwas gewöhnungsbedürftigen Art und Weise ist heute immer noch "martisor". Leider ist meine Redaktion, was das angeht, nicht besonders geschenkwütig. Ich schlussfolgere: Nicht besonders männlich. Ha! Da hat man schon nur so rumänische Supermänner (dazu später mehr) um sich herum und man bekommt nicht mal was. Doch dann naht die Rettung! Einer der Kameramänner betritt den Raum - sieht mich - geht wieder. Ich denke mir meinen Teil: Unfreudlicher, als einfach gar nichts zu sagen, ist wieder gehen du Idiot. Du stehst schon mal ganz weit unten auf der Liste, mein Lieber. Dabei sahst du am nettesten aus. Wenige Minuten später öffnet sich die Tür ein weiteres Mal und er kommt mit einem Anstecker zurück, den er mir schenkt. Sehr nett. Mein Glauben an die rumänische Männerwelt ist hiermit wiederbelebt. Von meinen Mitbewohnern weiß ich, dass ich diesen jetzt eine Woche tragen muss, um ihm zu zeigen, dass ich das Geschenk annehme. 
Von zwei Geschenkeverteilern im Sender bekam ich Blumen und Pralinen, die ich erst mal direkt mit der Redaktion geteilt hab, um mich einzuschleimen. Dabei weiß ich im Nachhinein nicht genau, ob ich damit vielleicht auch schon wieder irgendeine männliche Ehre verletzt hab. Ach, ist ja eigentlich auch egal. Man kann nicht alles haben. Also: Entweder Schokolade für alle oder männliche Ehre. Ich hab mich entschieden. Definitiv. Wer braucht schon Ehre.

Achso, mein Anstecker ist, wie sollte es anders sein (es ist immerhin mein Leben), am selben Abend kaputt gegangen. Ich wurde ausgiebig gemustert, aber nicht darauf angesprochen. Mittlerweile habe ich es mit Naivität wieder rausgerissen. ("Oh nein, ich wusste nicht das ich den die Woche über tragen muss. Ich hab den einfach ganz schön zuhause aufgehängt. Das tut mir wirklich Leid. Ich hab mich so gefreut. Wirklich.")

Soviel zu meinem Talent für die Zerstörung der männlichen Ehre. Auf die nächsten Wochen!

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